Ensemble Magazin

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Repertoirewert ♦♦♦♦♦
Klang ♦♦♦♦♦
Interpretation ♦♦♦♦♦

Schon die ersten Takte des Klaviertrios Nr. 1 d-Moll verschlagen dem Zuhörer die Sprache.. ..Wen diese Einspielung ruhig lässt,…wer sich nicht emotional zutiefst bewegt fühlt, wenn er diese Interpretationen hört, sollte eigentlich gar keinen Mendelssohn hören

Die 5-Sterne-Aufnahme

CARSTEN DÜRER

Repertoirewert ♦♦♦♦♦
Klang ♦♦♦♦♦
Interpretation ♦♦♦♦♦

Dass das noch im Mendelssohn-Jahr passiert, hatte ich nicht mehr vermutet: Eine solch hinreißende, musikalisch überzeugende Einspielung von Kammermusik Mendelssohn Bartholdys ist mir in diesem Jahr noch nicht in den Player gekommen. Und kurz bevor sich das Gedenk-Jahr dem Ende zuneigt, nun diese herrliche Einspielung der beiden Klaviertrios mit dem wunderbaren Jean Paul Trio. Dieses Klaviertrio braucht kaum mehr vorgestellt zu werden, ist es doch eines der renommiertesten Klaviertrios aus Deutschland. Und wie gut es als Ensemble funktioniert, belegen die drei Musiker nun wieder einmal.

Schon die ersten Takte des Klaviertrios Nr. 1 d-Moll verschlagen dem Zuhörer die Sprache, denn wie hier der dramatisch-dynamische Aufbau betrieben wird, ähnelt einem funkelnden und sich verdichtenden Gewitter, das immer stärker wird und sich dann langsam wieder beruhigt. Dass dennoch alle Phrasierungsfacetten, Beleuchtungen und Details vorhanden sind, erstaunt umso mehr. Und dann ein zu Tränen rührendes “Andante”, in dem die beiden Streicher (Ulf Schneider, Violine und Martin Löhr, Cello) dem Pianisten (Eckart Heiligers) beredt Paroli bieten, indem sie in den richtigen Passagen zu einer einzigen Stimme verschmelzen, ansonsten aber das Liedhafte, ja das pantheistisch Einfache und dennoch nicht Simple zu einem herzzereißenden Gesang erheben. Erlöst wird man im Scherzo mit einem wild-dahinhuschenden Tanz, der bei den “Jean Pauls” nicht ohne Dramatik bleibt. Feinnervig und klanglich berauschend austariert wird hier musiziert, und alle drei Musiker zeigen phrasengenau, wann sie aus dem Zusammenklang des gemeinsamen Atmens heraustreten können.

Dunkler und orchestraler im Klang dann der erste Satz des 2. Trios. Doch hier gelten dieselben famosen musikalischen Umsetzungen, die eigentlich Selbstverständlichkeiten sein sollten, die aber dennoch so selten zu hören sind: gemeinsames Atmen, Phrasierungen, die die liedhaften Bögen und Rubati so natürlich erscheinen lassen, dass man fassungslos ist, wenn man es nach dieser Einspielung wieder anders zu hören bekommt. Dass dieses Klaviertrio auch brilliant und virtuos zu spielen versteht, zeigt sich auch hier im Scherzo und dann im beschwingten Final-Satz.

Wen diese Einspielung ruhig lässt, nicht zu melancholischen Gefühlen anregt, wer sich nicht emotional zutiefst bewegt fühlt, wenn er diese Interpretationen hört, sollte eigentlich gar keinen Mendelssohn hören. Und das alles kommt in einer brillianten Aufnahmequalität, die den Tontechnikern des Westdeutschen Rundfunks zu verdanken ist.